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9. Walter-Markov-Kolloquium 2020

Bild (Walter Markov): Privatbesitz von Irene Markov (freigegeben für RLS Sachsen)

Wir laden Sie herzlich zur Einreichung eines Beitrages für das 9. Walter-Markov-Kolloquiums der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen am 05. und 06. Juni 2020 ein. Die Einreichungsfrist für Vorträge & Work-shopideen ist der 20. Januar 2020. 

Das Kurzkonzept

Für die acht vergangenen Walter-Markov-Kolloquien der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen zwischen 1992 und 2010 standen meist theoretische, akademische Vorträge im Mittelpunkt. Über die Befragung des Werkes von Walter Markov (1909-1993, Widerstandskämpfer und Historiker an der Karl-Marx-Universität Leipzig) wurden deren aktuelle Bezüge untersucht und dessen Adressat*innen diskutiert. Die verbindende Kernfrage, aus welcher Perspektive DDR- Geschichte erzählt und in welcher Form sie dargeboten wird, stand dagegen nicht im Vordergrund. Die dieser Erzählung zugrunde liegende Arbeit mit der eigenen Biographie wollen wir mit dem Neunten Walter-Markov-Kolloquium 2020, als Novum für die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, erstmalig in den Mittelpunkt stellen.

Eine Entscheidung, die Frage nach den Sprechenden selbst (in welchen Namen und für wen) in das Zentrum zu stellen, ist eine zutiefst folgenreiche. Anstelle der DDR-Akademie bzw. Universität wollen wir den Wandel und die Brüche in der Biographie des Einzelnen diskutieren und zugleich das Bild der »gebrochenen« Biographie einer Korrektur unterziehen. Dreißig Jahre ermöglichen aus unserer Sicht heute eine produktive Distanz bzw. eine Annäherung von einer anderen Seite, die das Verrätselte und Unverständliche der DDR-Akademiker*innen lesbar werden lässt. Konsequenterweise entsteht aus unserem Interesse und begonnenem Zuhören ein zweites Kernthema – der Einfluss dieser Umbruchserfahrung auf die Geschlechterverhältnisse vor und nach 1989. Die Relevanz der zentralen Strukturkategorie Geschlecht in Machtverhältnissen und dem öffentlich-gesellschaftlichen Diskurs ist auch in den »sozialistisch« geprägten Biographien so offensichtlich, dass eine Reihe von Fragen im Raum stehen: Welche Geschlechterrollen waren im Realsozialismus der DDR strukturell sowie individuell-biografisch akzeptiert und welche Weiterentwicklungen oder Regresse erlebten diese seit 1989? Warum bleibt bis heute offen, worin der genaue Charakter der ostdeutschen »Gleichberechtigung« bestand und weshalb ein Anknüpfen an tradierte Geschlechterbilder nach 1989 so reibungslos erfolgen konnte? Für die Annäherung an beide Oberthemen – das Verhältnis des Einzelnen zur Akademie und seiner Biographie nach 1989 und der Einfluss der Umbrucherfahrungen auf die Geschlechterverhältnisse – bietet das Markov-Kolloquium 2020 einen ersten passenden Rahmen. Wir freuen uns auf interessante Vorträge und Gesprächsrunden sowie vielfältige Themen- und Vortragseinreichungen. Für uns ist das Interesse an der Wiederentdeckung einer Vergangenheit eines, das auch Zukunft sein könnte.

Unsere Programmidee

Das anderthalbtägige Kolloquium findet am 5. und 6. Juni 2020 im Theater der Jungen Welt Leipzig (angefragt) statt und startet mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion am Freitagabend zu Kunst in und nach dem Ende der DDR um popkulturell ins Thema einzusteigen. Den Auftakt am Samstag werden zwei Key-Note Sprecher*innen mit jeweils einem Vortrag zu den Brüchen in der Institutionen Universität und den Biografien der Mitarbeitenden und Lehrenden gestalten. Daran schließen dann  die beiden (interdisziplinären) Panels zu Biografiearbeit und Geschlecht an. Eine Zusammenfassung der Debatten in den Workshops findet im Anschluss statt und bildet den Abschluss des Kolloquiums.

Das 9. Walter-Markov-Kolloquium der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen ist explizit interdisziplinär angelegt und bietet unterschiedlichsten Vortrags-, Diskussions- und Workshopformaten Platz. Wir möchten eine möglichst heterogene Beteiligungskultur erreichen und laden besonders junge (Nachwuchs-)Akteurinnen zur Einreichung ein.

Im Nachgang des Kolloquiums können ausgewählte Vorträge und Workshop-Beiträge in einem Wissenschaftsverlags- Sammelband veröffentlicht werden.

Die Hauptthemen des Kolloquiums, welche in den Beiträgen bearbeitet werden sollen, sind somit:

  • Welche Brüche gab es 1990ff. an den ostdeutschen Hochschulen und was hieß das für die bisherigen Hochschullehrer*innen (Professor*innen und explizit auch Mittelbau- und Nachwuchskräfte)?
  • Wie wirkten sich die Brüche in der Institution Universität auf die Biografien aller Beteiligten aus und welche Auswirkungen hatte dies u.a. auf die Neugründung der Hochschulen nach 1989? Wie konnte eine wissenschaftliche Arbeit außerhalb dieser Institutionen für entlassene Lehrende gestaltet werden? 
  • Welche Funktion kann eine Arbeit mit genau diesen Biografien heute einnehmen und welche Erkenntnisse ermöglichen?
  • Welche Geschlechterrollen waren im Realsozialismus der DDR strukturell sowie individuell-biografisch akzeptiert und welche Weiterentwicklungen oder Regresse erlebten diese bis 1989?
  • Warum bleibt bis heute offen, worin der genaue Charakter der ostdeutschen »Gleichberechtigung« bestand und weshalb ein Anknüpfen an tradierte Geschlechterbilder nach 1989 so reibungslos erfolgen konnte?

Wir erbitten eine Einreichung unter info@rosalux-sachsen.de mit Angabe von Zentraler These/
zentralem Inhalt und Methodik max. 2 A4-Seiten, Druckbeitrag (Gestaltungshinweise nach Abschluss des CfP) bis zum 20. Januar 2020.
Zusagen werden bis zum 29. Januar 2020 vergeben. Das Programm wird bis zum 20. Februar veröffentlicht.