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Mit scharfem Blick und beißender Satire hinterfragte Dada ab 1916 politische wie soziale Zustände und übte scharfe Gesellschaftskritik. Das von der Kunsthistorikerin und Kuratorin Katharina Günther herausgegebene (zweisprachig Deutsch/Englisch) Buch zur Ausstellung im Zentrum für verfolgte Künste in Solingen feiert diese Kunstbewegung aus Anlass ihres 110. Geburtstags.
Mit Werken der wichtigsten Dada-Künstler:innen bietet der Band einen guten Überblick. Er liefert sprichwörtlich ein Bild dieser facettenreichen Bewegung und ihrer vielfältigen Ausdrucksformen, darunter die Genre Malerei, Fotografie, Theater, Tanz, Literatur und Satire. Expert:innen erzählen in vier nicht immer ganz zugänglichen Artikeln die Geschichte von Dada von der Gründung 1916 bis zu den 1930er-Jahren. Im Fokus stehen die politische Motivation und die diversen Aktivitäten der Bewegung, welche die heterogene Gruppe aus bildenden Künstler:innen, Literat:innen und Theaterleuten maßgeblich verband.
Dada war Humor und Provokation, (künstlerische) Selbstfindung und -definition und ebenso direkt und indirekt politische Agitation. Aus der Erfahrung des Ersten Weltkriegs kommend, machten die Dada-Künstler:innen sich über die bürgerliche Gesellschaft lustig, zogen das Spießertum durch den Kakao und warnten später vehement vor der aufziehenden nationalsozialistischen Diktatur. Die Collagen von John Heartfield aus den 1930ern dürften dafür das bekannteste Beispiel sein. Kein Wunder also, dass die Nationalsozialisten Dada später als «entartete Kunst» einstuften.
Dada war antibürgerlich, anarchistisch und pazifistisch und erprobte zudem erste Formen dessen, was heute im Hinblick auf vergeschlechtliche Identitäten unter Queerness verhandelt wird. Die an verschiedenen Orten aktive, aber sehr kleine und gut vernetzte Bewegung existierte letztlich nur wenige Jahre. Ihre Wirkung und ihre Folgen sind bis heute spürbar, und wurden zum Beispiel 60 Jahre später im Punk dann wieder aufgegriffen.
Das Buch zeigt die Aktualität des politischen Engagements der Dadaist:innen und ebenso eindrücklich, wie wichtig Kunst als Seismograf für menschenfeindliche und antidemokratische Entwicklungen ist. Umso mehr fällt auf, dass heute eine solche Strömung oder Praxis jenseits von Musik eher unterentwickelt ist. In diesem Sinne kann nur an das Zitat angeknüpft werden, das anlässlich der Ersten Internationalen Dada-Messe im Jahre 1920 entstand und von George Grosz (1893-1959) stammt: «Nehmen Sie Dada ernst! Es lohnt sich».
Die Ausstellung ist noch bis 13. September 2026 im Zentrum für verfolgte Künste, Wuppertaler Straße 160, in Solingen zu sehen.
Katharina Günther (Hrsg.): «Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!» Dada als politische Kunst zwischen den Weltkriegen; Hirmer Verlag, München 2026, 176 Seiten, 90 Abbildungen, 35 Euro

