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Diese neue Publikation reagiert darauf, dass Antisemitismus im Gewand des Antizionismus in vielen Spektren der Linken zu einem subkulturellen Code geworden ist, ein Zeichen für Coolness und Rebellion. Damit einher geht eine Wiederkehr autoritärer Muster und Handlungsweisen: Israelbezogener Antisemitismus, Terrorverherrlichung, Doppelmoral und selektive Empörung, Hass auf den Westen, regressive Kapitalismuskritik und ein Faible für nationale Befreiungsbewegungen.
Das Buch will mit seinem Vorwort und den neun Beiträgen der Vereinzelung in einem eher israelsolidarischen und antisemitismuskritischen Spektrum etwas entgegensetzen. Dies wird mit einem bunten Strauss an Texten versucht.
Am persönlichsten, und damit dem Wunsch nach Ermutigung und Solidarität am ehesten nahekommend sind die drei autobiografischen Texte von Sasha Kirsten Achtelik, Ulrike Becker und Henning Flad. Sie reichen im erzählten Zeitraum bis Mitte der 1990er, zur Goldhagen-Debatte und noch länger zurück, und rekapitulieren einige Auseinandersetzungen der undogmatischen, radikalen Linken jener Jahre. Der Beitrag von Anetta Kahane, 1998 Gründerin der Amadeu Antonio Stiftung ist ebenfalls autobiographisch. Die 1954 als Kind jüdisch-kommunistischer Eltern in der DDR geboren und aufgewachsene beschreibt ihr Verhältnis zu Israel, angesichts von staatlicher Doktrin der DDR und persönlicher Familiengeschichte.
«Die Bereitschaft toten Juden Denkmäler zu errichten, wird zur Feindseligkeit gegenüber lebenden Juden, die sich weigern, Opfer zu bleiben». Diese Zitat könnte paradigmatisch über dem Text von Marek Sierka, Julia Bernstein, Roglit Ishay und Ilja Kogan stehen. Sie alle vier sind im Netzwerk jüdischer Hochschullehrender aktiv und erinnern an den Aufstand im Warschauer Ghetto 1943. Sie nennen bestürzende Fakten zur Shoah im besetzten Polen und umreißen in ihrem eindringlichen und lesenswerten Text die Bedeutung dieses Aufstandes für Israel in Vergangenheit und Gegenwart.
Eine ganz andere Perspektive macht Mehmet Can auf. Can ist Lehrer am Rütli-Campus in Berlin-Neukölln und berichtet aus seinem schulischen Alltag, in dem vieles eine pädagogische Gratwanderung ist.
Die Texte sind da stark und wirkungsvoll, wo sie persönlich sind; die Grundhaltung aller Texte ist erstaunlich zurückhaltend, ein Umstand der angesichts der politischen und medialen Eskalation des Themas und der damit verbundenen politischen Debatten bemerkenswert ist. Hier wird nicht eskaliert, sondern behutsam argumentiert.
Lisa Geffken/Nikolas Lelle (Hg.): Warum man Israel nicht hassen muss, um zu den Guten zu gehören; Verbrecher Verlag, Berlin 2026, 152 Seiten, 18 Euro


