Publikation Deutsche / Europäische Geschichte - Wirtschafts- / Sozialpolitik 2020: 30 Jahre «Einheit» Entkoppelte Gesellschaft - Ostdeutschland seit 1989/90. Band 3 : Exil

Der Band «Exil» belegt den seit 1990 politisch und behördlich koordinierten Ausschluss von Ostdeutschen aus Karrieren und gesellschaftlicher Gleichstellung, ihre Herabsetzung als Mentalitäts- und Wertgemeinschaft. Dies hat in Millionen Biografien tiefe Spuren hinterlassen und sich als unausgesprochener Migrations- und Kulturkonflikt Ost-West verfestigt. Die kulturkolonialen Verwerfungen in Ostdeutschland haben das kollektive Phänomen des Befremdens und des Exils im eigenen Land zur Folge.

Information

Reihe

Buch/ Broschur

Erschienen

Dezember 2020

Seit das „Ende des Kommunismus" auf 1990 festgeschrieben und der „Unrechtsstaat DDR" der Justiz übergeben wurde, inszenieren neue Institutionen, Stiftungen und Behörden auf Bundesebene den ökonomischen, kulturellen und moralischen Erfolg des Rechtsstaates. Dabei wird die Mehrheit der Neubürger mit Schockereignissen des krassen sozialen Wandels und der gesellschaftlichen Stigmatisierung konfrontiert. Konzepte wie „Transformation", „Modernisierung" und „Demokratisierung" treten als Euphemismen auf, die über eine neoliberale Annexion der „Neuländer" hinwegtäuschen. Das Investmentprojekt „Aufschwung Ost" ist ein Laborfall der Globalisierung. Über eine Aufarbeitung der DDR im Totalitarismus- und Diktaturenvergleich hinaus ist eine politische Soziologie der Landnahme, des Gesellschaftsumbaus und des strukturellen Kolonialismus in Ostdeutschland längst überfällig. Das Forschungsprogramm „Entkoppelte Gesellschaft. Liberalisierung und Widerstand in Ostdeutschland seit 1989/90. Ein soziologisches Laboratorium" will im dreißigsten Jahr der „Einheit" diesem Thema mit einer mehrbändigen Publikation Rechnung tragen.

Der Band „Exil" belegt den Zusammenhang zwischen der Annexions-, Vertreibungs- und Assimilationspolitik der Bundesregierung im Beitrittsgebiet und dem rapiden Anstieg von Krankheit, Sterblichkeit, Substanzkonsum, Suizid, Abwanderung oder Kinderlosigkeit. Die Entkopplung der DDR-Bevölkerung aus soziokulturellen Gefügen und die institutionelle Diskriminierung ihrer Herkunft haben einen intergenerativen Ost-West-Kulturkonflikt und das Exil im eigenen Land zur Folge.