20. Oktober 2021 Diskussion/Vortrag Der "israelische Frühling"

Wirtschaftspolitischer Protest als Revolution?

Information

Veranstaltungsort

Online

Zeit

20.10.2021, 19:30 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Soziale Bewegungen / Organisierung, Migration / Flucht, Globalisierung, Krieg / Frieden, Partizipation / Bürgerrechte

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mit Stefan Wolfrum (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin)

Eine Veranstaltung der Gruppe Kritische Islamwissenschaftler:innen und Arabist:innen in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Sachsen.

Vortragsreihe: „10 Jahre arabischer Frühling – eine kritische Betrachtung"

 

Man hätte erwarten können, dass die israelische Bevölkerung, in Anlehnung an den revolutionären Geist der Region, etwa gegen die Besatzung des Westjordanlandes aufbegehrt oder sich zumindest mit den Zielen des Arabischen Frühlings in den Nachbarländern solidarisch erklärt. Die Bewegung in Israel adressierte jedoch fast ausschließlich wirtschaftliche Missstände im Inland und war nur sekundär, oder erst im Nachgang der Demonstrationen, von politischer Natur. Die Hauptthemen der Demonstranten in der "einzigen Demokratie" des Nahen Ostens waren die hohen Lebenshaltungskosten, vornehmlich Immobilien- und Nahrungsmittelpreise. Dadurch wird die israelische Variante der Protestbewegung oft als isoliert vom übrigen Arabischen Frühling wahrgenommen. Die Analyse des "israelischen Frühlings" lässt allerdings zwei Schlüsse zu: 1. Die Kritik am israelischen Wirtschaftssystem war zu dieser Zeit eine legitime und effektive Form der Regierungskritik, da Zweifel am Wirtschaftssystem Israels und sozialpolitische Fragen generell von einem sicherheitspolitischen Burgfrieden übertüncht werden. Der Protest war also trotz seiner Harmlosigkeit "revolutionär" und verhalf der israelischen Linken zur Formulierung einer fundamentalen Kritik gegen die Netanyahu-Regierung. 2. Die wirtschaftliche Komponente des "israelischen Frühlings" darf auch bei der Analyse der Proteste in den arabischen Ländern nicht vernachlässigt werden. So war der arabische Frühling in vielen Ländern in seiner Anfangsphase nicht primär politisch motiviert, sondern wirtschaftlichen Missständen geschuldet. Der Vergleich mit Israel soll zu einer neuen Betrachtungsweise der Vorgänge in den arabischen Ländern motivieren.

Stefan Wolfrum ist Teil eines Forschungsprojektes zu Israels innenpolitischen Entwicklungen, Sicherheitsfragen und Außenpolitik der Forschungsgruppe Naher/Mittlerer Osten und Afrika an der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Nach dem Bachelorstudium an der Universität Amsterdam (Europastudien, Arabisch und Hebräisch) absolvierte er den Masterabschluss Internationale Beziehungen, Sicherheit und Diplomatie an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Derzeit promoviert er an der Jagiellonen-Universität in Krakau zu den politischen Auswirkungen der Energie- und Wirtschaftskooperation zwischen Israel und Ägypten.

Registrierungs-Link: https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_TsHLASlqRSCm_vte8lV7Kg

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