2007

Preisträger des Jahres 2007

2. Preis:Peter Birke

für
»Sechzig Pfennig zu wenig, muss eine Mark«. Wilde Streiks und Gewerkschaften zwischen 1950 und 1973 im bundesdeutsch-dänischen Vergleich.

Dissertation zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Fächergruppe Philosophie und Geschichtswissenschaft der Universität Hamburg

Erstgutachter: Prof. Dr. Axel Schildt
Zweitgutachter: PD Dr. Klaus Weinhauer

Inspiriert von der Entwicklung aktueller sozialer Proteste widmet sich Peter Birke in seiner vergleichenden Studie »wilden Streiks« und Gewerkschaften im bundesdeutsch-dänischen Vergleich zwischen 1950 und 1973. Seine sozialgeschichtliche Untersuchung richtet das Augenmerk auf einen Bereich der Nachkriegsgeschichte, der bislang kaum erforscht wurde. Insgesamt gesehen meistert Peter Birke souverän die komplexen Herausforderungen, die vergleichende Studien stellen. Die Arbeit von Peter Birke kann in dieser Hinsicht als Pionierarbeit gelten.

2. Preis:Wigbert Blank

für
Die kolonialwirtschaftliche Nutzung der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Gesellschaftliche und forstwirtschaftliche Entwicklung in Deutsch-Ostafrika.

(Magisterarbeit TU Chemnitz 2004)
Magisterarbeit, Technische Universität Dresden

Gutachter: Prof. Dr. habil. Ernst Ulrich Köpf

Wigbert Blank hat eine umfangreiche und inhaltsschwere Arbeit vorgelegt, die in ihrer Bedeutung deutlich über den eher untertriebenen Titel »Die kolo¬nialwirtschaftliche Nutzung der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Gesellschaftliche und forstwirtschaftliche Entwicklung in Deutsch-Ostafrika« hin¬ausgeht. Denn die Kolonisierung weiter Teile der Welt durch europäische Mächte im 19. Jahrhundert hatte gewaltigen Einfluss auf die Entwicklung zu einem Zustand, der heute retrospektiv als »Imperium der Schande« bezeichnet werden muss. W. Blank exploriert dies überzeugend am Beispiel der kolonialwirtschaftlichen Forstunterstützung in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika.

3. Preis:Jana Günther

für
Die Politische Inszenierung der Suffragetten in Großbritannien. Formen des Protests, der Gewalt und symbolische Politik einer Frauenbewegung. Mit einem Vorwort von Herfried Münkler

Diplomarbeit am ISW der HU Berlin

GutachterInnen: Prof. Dr. Herfried Münkler und Prof. Dr. Hildegard Maria Nickel

Die Autorin beschäftigt sich eingehend und ideenreich mit den historischen und politischen Gründen der Suffragettenbewegung, welche durch ihre öffentlichkeitswirksame und militante Frauenwahlrechtskampagne Anfang des 20. Jahrhundert zwar weltweit bekannt, aber von der deutschen Frauenforschung bis jetzt kaum rezipiert wurde.

3. Preis:Falk Engelhardt

für
Entwicklung und Politik der trotzkistischen Linksopposition in Leipzig ab 1924


Magisterarbeit TU Chemnitz


Gutachter: Dr. Werner Abel und Prof. Dr. H. Dahmer

Herr Engelhardt gibt in seiner verdienstvollen politikwissenschaftlichen Magisterarbeit einen Überblick über die verwickelte Geschichte der minoritären trotzkistischen Linken Opposition in Westsachsen (Leipzig) seit 1924. Die Entstehung des westsächsischen Linkskommunismus führt Engelhardt zum einen auf dessen Konkurrenz mit der (in der sächsischen Arbeiterbewegung traditionell vorherrschenden) Sozialdemokratie, zum anderen auf die Stalinisierung der KPD seit 1924 zurück. Er leistet einen beachtenswerten Beitrag zur Erforschung eines in der Literatur bisher unterbelichteten Zweiges der deutschen Arbeiterbewegung.

3. Preis:Claudia Münzing

für
Coming out of the closet – Öffentlichkeits- und Privatheitsdiskurse im Spannungsfeld geschlechtlicher und sexueller Identitäten


Magisterarbeit, Fakultät der Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg i. Breisgau


Erstgutachter: Prof. Dr. Gisela Riescher
Zweitgutachter: Prof. Dr. Nina Degele

Claudia Münzing möchte mit ihrer Studie »Coming out of the closet – Öffentlichkeits- und Privatheitsdiskurse im Spannungsfeld geschlechtlicher und sexueller Identitäten« das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit aus einem queertheoretischen und politikwissenschaftlichen Hintergrund neu bestimmen, um damit einem Phänomen wie dem Coming out in der Politik empirisch besser beikommen zu können, als es etwa klassische feministische Ansätze vermögen. Als Beispiele wählt sie die beiden medial aufgepushten Fälle von Klaus Wowereit und Annette Schavan. Aufbau und Argumentation der Arbeit überzeugen ebenso wie die Originalität und Gründlichkeit bei der Bearbeitung des Themas und das sprachliche Niveau, das der inhaltlichen Argumentation in nichts nachsteht.