Publikation Rosa Luxemburg Annelies Laschitza: Sich treu bleiben und heiter sein … Rosa-Luxemburg-Forschungsberichte Heft 14

Herausgegeben von Klaus Kinner und Manfred Neuhaus

Information

Reihe

Buch/ Broschur

erschienen: Dezember 2017; Zweite, korrigierte und erweiterte Auflage März 2018

Inhalt:

Zauberring der Erinnerung S. 9–84
Die 1950er Jahre – Lehr- und Lernjahre S. 14–20                                     
Die 1960er Jahre – Entscheidungsjahre S. 21–30                                     
Die 1970er Jahre – Aufbruch in die internationale Diskussion S. 31–38
Die 1980er Jahre – im Widerstreit der Gegensätze S. 39–50
Die 1990er Jahre – ungeahnte Möglichkeiten S. 51–75                             
Die 2000er Jahre – verheißungsvolle Lichtblicke S. 76–81                                   
2010 bis 2017 – mit Energie und Leidenschaft auf der Zielgeraden S. 81–84
Rosa Luxemburg – Zürich, Berlin, Warschau 1893–1906 S. 85–146
Rosa Luxemburg – Berlin, Wronke, Breslau 1907–1918 S. 147–220
Verzeichnis der wissenschaftlichen Publikationen von Annelies Laschitza S. 221–230
Hartmut Henicke: Der »Zauberring der Erinnerungen« 231−241
Rainer Holze: Annelies Laschitzas Zauberring 242−243
Holger Czitrich-Stahl: Mehr als 50 Jahre Tête-à-Tête mit Rosa Luxemburg. Über das jüngste Werk Annelies Laschitzas  244−246
Personenverzeichnis 247−259
Die bisher erschienenen Rosa-Luxemburg-Forschungsberichte 260

Kostenbeitrag: 4,00 Euro, für Mitglieder: 3,00 Euro

Bestellungen bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen unter: info@rosalux-sachsen.de, Tel: 0341-9608531 

Rezensionen

Laschitzas Zauberring
(Neues Deutschland. 12. Januar 2018. S. 16.)

Eine ND-Lektüreempfehlung von Rainer Holze
Sie gilt als Grande Dame der Rosa-Luxemburg-Forschung. Ohne ihr profundes Wissen und ihr editorisches Können gäbe es wohl nicht die mittlerweile auf 13 Bände angewachsene Ausgabe der Werke und Briefe der deutsch-polnischen Theoretikerin und Revolutionärin, die neben den blauen MEW-Bänden zum Tafelsilber des Berliner Dietz-Verlages gehört. Was die DDR-Historikerin Annelies Laschitza gemeinsam mit ihren Kollegen Günter Radczun, Feliks Tych, Eckhard Müller und einem kompetenten Übersetzerteam geleistet hat, um das literarische Erbe von Rosa Luxemburg für künftige Generationen zu bewahren, ist bewunderungswürdig. Wer erfahren möchte, welche Hürden aus dem Weg geräumt, welche Schwierigkeiten überwunden und welche Kompromisse mitunter eingegangen werden mussten, um diese vorzügliche Edition zu realisieren, dem sei das soeben erschienene Heft der Rosa-Luxemburg-Forschungsberichte zur Lektüre anempfohlen. Darin bilanziert Laschitza ihr Forscherleben.
In einem »Zauberring der Erinnerung«, den sie allerdings nicht als Autobiografie versteht, möchte sie schildern, »was mich in den fünf Jahrzehnten besonders inspiriert hat, auch was mir widerfahren ist und überhaupt, was mir auf der Seele brennt«. Dies geschieht durchaus kritisch und selbstkritisch, zuweilen mit heiterer Ironie. Wie es das Titelzitat verheißt, bleibt sie sich dabei stets treu.
Wie für viele Vertreter der legendären ABF-Generation erwiesen sich auch für die gebürtige Leipzigerin die 1950er Lehr- und Lernjahre bei Walter Markov und Ernst Engelberg als prägend. Geistig gut ausgerüstet, konnte sie im folgenden Jahrzehnt ihre wissenschaftliche Karriere starten. Laschitza reflektiert die 1970er Jahre als Aufbruch in die internationale Diskussion und die 1980er als Jahre des Widerstreits im eigenen Land. Ihr Anspruch penibler Rekonstruktion der Gemeinsamkeiten wie Gegensätze zwischen Luxemburg und Lenin und ihr Beharren auf dem Vollständigkeitspostulat der Editionsphilologie brachte sie in manchen Konflikt mit ideologischer Zensur. Dank ihrer Konsequenz gelang es, das nicht nur von Stalin dereinst verteufelte Manuskript »Zur russischen Revolution« 1974 im vierten Band der »Gesammelten Schriften« zu veröffentlichen.
1990 eröffneten sich für sie, im Unterschied zu vielen Kollegen, neue »ungeahnte Möglichkeiten«. Es folgten »verheißungsvolle Lichtblicke«. Die 2000er Jahre nennt sie eine Zeit der »Energie und Leidenschaft auf der Zielgeraden«.
Der Autorin, den Herausgebern Klaus Kinner und Manfred Neuhaus sowie dem Lektor Jörn Schütrumpf gebührt für diese subtile Bestandsaufnahme der Luxemburg-Forschung und -Edition Anerkennung und Dank.


Blick in die Werkstatt. Annelies Laschitza erzählt aus ihrem Forscherleben für Rosa Luxemburg.
Gerhard Engel
(Junge Welt. 30. Mai 2018. S. 11)

Annelies Laschitzas Buch »sich treu bleiben und heiter sein…« hat zwei Protagonistinnen, Rosa Luxemburg und die Autorin selbst. Laschitza ist die international wohl bedeutendste Luxemburg-Forscherin, sie ist Editorin der Werke und Biographin des stürmischen Lebens der großen Theoretikerin und Aufklärerin der internationalen Arbeiterbewegung. Sie hat sich mit diesem Buch den Wunsch erfüllt, »in Erinnerungen zu schwelgen und ohne Beleg freimütig zu erzählen«. Es ist die Geschichte ihres wissenschaftlichen Werdegangs.

Apothekerin wollte sie werden, Verwaltungsangestellte wurde sie, lehrte an Schulen zur Ausbildung von Verwaltungspersonal. Als sie 1949 Rosa Luxemburgs »Briefe aus dem Gefängnis« las, war das ihr erster Kontakt mit der Frau, deren Leben und Werk ihre Entwicklung als Wissenschaftlerin bestimmen sollte. Nach dem Geschichtsstudium in Leipzig wirkte sie mit rasch wachsenden Verantwortlichkeiten im Institut für Marxismus-Leninismus Berlin bis zu dessen Auflösung. Schon als Nichtpromovierte gehörte sie 1963 bis 1966 mit lauter arrivierten Forschern und Hochschullehrern zum Autorenkollektiv der achtbändigen »Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung«. 1971 wurde sie Professorin.

Rosa Luxemburg war kein einfaches Arbeitsfeld. Ausführlich erinnert sich Laschitza an die Schwierigkeiten durch das lange wirksame Verdikt Stalins, der »Luxemburgismus« sei ein »Halbmenschewismus«. Dennoch gelang ihr gemeinsam mit Günter Radczun eine große Leistung: Zwischen 1970 und 1975 stellten sie fünf Bände »Gesammelte Werke« Rosa Luxemburgs zur Verfügung. Darüber hinaus sorgten sie mit der Biographie »Rosa Luxemburg. Ihr Wirken in der deutschen Arbeiterbewegung« dafür, der großen Kommunistin den ihr gebührenden Platz in der Geschichte des Marxismus zuzuweisen.

Rasch gewann Annelies Laschitza Ansehen unter all denen, die während der 60er Jahre vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Krisen in Ost und West eine Luxemburg-Renaissance anstrebten, nahm an den kon­troversen Debatten auch des nächsten Jahrzehnts teil. In den 80ern beriet sie Margarethe von Trotta bei deren Luxemburg-Film, veröffentlichte mit Radczun die fünf Bände »Gesammelte Briefe«.

Die Niederlage des Sozialismus erhöhte zugleich das Interesse der Kapitalismuskritiker an Luxemburgs Gedanken. Laschitza fand darin den Antrieb, trotz schwerer familiärer Schicksalsschläge ihr Werk fortzusetzen. 1993 erschien Band sechs der »Gesammelten Werke«, und 2017 krönte sie ihre editorische Kärrnerarbeit mit dem siebenten. ­Alle in deutscher Sprache vorhandenen schriftlichen Hinterlassenschaften Rosa Luxemburgs stehen seither für Forschung und Rezeption zur Verfügung.

Laschitza bietet Einblick in die wissenschaftliche Werkstatt ebenso wie in die Arbeit der Internationalen Rosa-Luxemburg-Gesellschaft und ihrer Tagungen. Als wissenschaftliche Weltreisende ist sie zwischen Italien und Japan, China und Polen unterwegs. Eine 1996 veröffentlichte Biografie der verehrten Theoretikerin nannte Laschitza »Im Lebensrausch, trotz alledem«. Es könnte auch der Titel ihrer  Erinnerungen sein.