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Nachricht , : Fähnders: Projekt Avantgarde, Bielefeld 2019

Verschafft einen soliden Überblick

Wichtige Fakten

Details

Der 1944 geborene Germanist Walter Fähnders ist einer der ausgewiesenen und produktiven AutorInnen zum Thema. In dieser Publikation fasst er in drei Kapiteln bekanntes nochmals zusammen und vertieft das Thema des Verhältnisses der künstlerischen Avantgarden zur „Arbeit“ im vierten. Zeitlicher Rahmen sind die ersten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, die „klassische“ Periode der Avantgarden (von Futurismus, Dada, und anderen).

Im ersten Kapitel diskutiert Fähnders den Begriff „Avantgarde“ und seine Herkunft, Verwendung und seine Essentials (vgl. die Liste auf Seite 32). Witzigerweise hätte sich niemand aus den Avantgarde damals selbst so genannt. Im Fokus des nächsten Abschnitts steht der in der Regel männliche Künstler und Autor. Er versteht sich oft als Prophet und betreibt Strategien einer Selbstüberhöhung und –nobilitierung, die an alte, sehr deutsche Vorstellungen des Künstlers anknüpfen. Im dritten geht es schließlich um das Manifest als hauptsächliche Ausdrucksform der Avantgarden jener Periode (1).

Im letzten Kapitel diskutiert Fähnders den Umgang der Avantgarden mit Arbeit: Da ist zum einen die eigene, künstlerische Produktion, in der die AvantgardistInnen ja sehr fleißig sind. Nach aussen, in ihren Schriften und auch im klischeehaften Bild werden die Avantgarden eher den Angehörigen der Bohème zugerechnet, die Müßiggang und Faulheit propagieren. Fähnders macht noch einen, weiteren, und bisher unterbelichteten Strang Strang stark, der Arbeit als Glück ansieht und, z.B. in Russland, einen Ethos der „Arbeit als Befreiung“ oder der „Befreiung der Arbeit“ fordert - und lebt. In den Passagen zum widersprüchlichen und vielfältigen Verhältnis der Avantgarden zur „Arbeit“ bringt die Publikation viel Neues. Sie verschafft einen soliden Überblick und ist auch für Menschen, die sich noch wenig mit dem Thema beschäftigt haben, sehr geeignet. Das preiswerte Buch enthält ein Personenregister.

(1) Fähnders hat in mit dem Buch „Manifeste und Proklamationen der europäischen Avantgarde (1909–1938)“ 2005 (zuerst 1995) zusammen mit Wolfgang Asholt eine umfangreiche Dokumentation dazu publiziert.

Walter Fähnders: Projekt Avantgarde. Avantgardebegriff und avantgardistischer Künstler, Manifeste und avantgardistische Arbeit; Aisthesis Verlag, Bielefeld 2019, [Moderne-Studien Band 23], 214 Seiten, 19,80 EUR

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